Aber es gibt gewisse Dinge, die du dir bewusst machen kannst, um selbstsicherer zu werden und dein Urvertrauen zu stärken.

Du weißt heute nicht, was (morgen) passieren wird. Akzeptiere dein Leben, so wie es kommt.

Als Patrick starb, war ich gerade volljährig geworden. Wir hatten uns einige Jahre zuvor auf einer Veranstaltung eines überschulischen Verbandes der Schülervertreter im Bezirk Unterfranken kennen gelernt. Ein Haufen unbeschwerter Schüler waren wir, die sich ehrenamtlich engagierten und mit sozialen und schulpoltischen Themen beschäftigten. Man traf sich alle paar Monate in einem Seminarhaus oder einer Jugendherberge und bearbeitete gemeinsam Projekte und feierte. Ich erinnere mich noch an besagten Workshop, als ich Patrick zum ersten Mal ohne Haare traf, verunstaltet mit einer großen Narbe quer über seinen Schädel. Diagnose: Bösartiger Gehirntumor. Patrick hatte gerade seine erste Chemotherapie hinter sich, nach einer erfolglosen und dennoch Hoffnung gebenden Operation. Obwohl ich ihn im ersten Moment nicht einmal mehr erkannte, war er fröhlich, optimistisch, lebensfroh. Ich schlich mich in der Kaffeepause aufs Zimmer und heulte los. Ich war fix und fertig, traurig, bestürzt und zugleich so ohnmächtig, weil ich nichts tun konnte. Patrick hatte trotz Lebenswille keine Chance. Seine Krankheit und sein Tod kurze Zeit später rissen mich zum ersten Mal in meinem Leben aus dieser Trance, die ich naive Unbeschwertheit nenne. Danach ging es Knall auf Fall, ein Kumpel starb bei einem Autounfall, eine Mitschülerin stürzte beim Reiten, ihr eigenes Pferd erdrückte sie, sie verstarb im Helikopter. Eine andere Mitschülerin erlitt einen Schlaganfall, der sie lange Zeit außer Gefecht setzte, meine Partnerin vom Tanzkurs-Abschlussball und Schulfreundin verstarb Anfang ihres Studiums an Leukämie und ein Freund machte unbedarft einen Flachköpper in den Gardasee und tauchte mit zertrümmerten Halswirbeln wieder auf. Seitdem rollt er – querschittsgelähmt – durchs Leben. Ein Kumpel kippte vor einiger Zeit beim Angeln aus dem Boot. Man fand ihn erst Tage später im See und diagnostizierte einen Blitztod – plötzlicher Herzstillstand ohne erkennbare Ursache. Ich könnte diese Reihe leider noch eine ganze Weile fortsetzen, auch mit jungen Menschen aus meinem direkten Umfeld und tragischen oder unerwarteten Ereignissen aller Couleur. Doch es dürfte klar sein, worum es mir geht. Es ereignen sich Dinge im Leben, die kommen unerwartet und machen schlicht fassungslos und betroffen. Nicht selten höre ich dann Fragen wie „warum er/sie/ich?“ oder einfach nur „warum?“. Tja, man könnte genauso gut fragen „warum nicht?“. Wir sind bestürzt, weil wir uns wegen des Verlustes selbst bemitleiden, weil wir mit den Hinterbliebenen mitempfinden und weil wir uns mit den Toten oder Betroffenen assoziieren. „Wie wäre das, wenn es mich stattdessen erwischt hätte und wann und wie wird mein Ende sein?“ Solche Fragen stelle ich mir in solchen Momenten und kann sie mittlerweile, ebenso wie alle möglichen Antworten, aushalten und akzeptieren. In diesen Momenten des Lebens ist es wichtig, die Gefühle zuzulassen, auszuleben und am Ende loszulassen. Nimm einfach hin, dass der Tod und auch harte Schicksalsschläge oder auch nur ungeplante Wendungen ein sicherer Bestandteil eines jeden Lebens sind. So wie ich nun wochenlang für den Marathon trainiert habe und dann im letzten langen Lauf das Außenband verletzt habe. Das sind im Vergleich zu den Beispielen oben nur Kinkerlitzchen, dennoch erfordert es die gleiche Art von Einstellung: Akzeptanz. Hinnehmen, was ich nicht ändern kann. Idealerweise mit einem positiven Blick. Wer weiß denn schon, was passiert wäre, wenn ich beim Hamburg-Marathon Ende April gestartet wäre? Wie kann ich denn bewerten, dass diese Verletzung „schlecht“ ist, ohne die zahlreichen Alternativen gelebt zu haben, um das beurteilen zu können? Was im ersten Moment wie ein Schlag ins Gesicht aussieht, kann morgen schon die beste Lektion deines Lebens gewesen sein. Weniger bewerten, das ist – wie so oft im Leben – ein wichtiges Mantra für mich. Je besser du das Ungeplante akzeptierst, umso leichter kommst du aus dem anfänglichen Tief wieder heraus. Und dann konzentriere dich auf die zahlreichen verbleibenden schönen Aspekte des Lebens, denn davon kannst du einen sehr großen Teil beeinflussen. Trauer und Wut sind wichtige Prozesse der Verarbeitung, doch es sind deine Prozesse. Der Übergang zum Selbstmitleid ist oft nahtlos, achte darauf, dass du aus dem passiven Zustand wieder in die Aktivität zurück findest. Und mal eine ganz andere Frage: Wäre das Leben nicht auch sehr viel öder, wenn es nicht eben jene unerwarteten Wendungen bereit hielt? Könnte man sich ohne den Kontrast des Schlechtfühlens überhaupt gut fühlen? Oder etwas metaphorischer formuliert, es könnte keine Berge geben, wenn die Täler nicht wären, das eine bedingt das andere – es sind zwei Seiten einer Medaille.

Sei aktiv, wo du planen und steuern kannst und lehn dich entspannt zurück, wenn du nicht mehr selbst am Steuer sitzt

Früher fiel es mir sehr schwer, darauf zu vertrauen, dass alles gut ist, wie es ist. Heutzutage ermahne ich mich immer wieder, die positiven Seiten zu finden und den Nutzen für mich zu erkennen. Mein Leben ist durchaus bewegt und mir sind schon zahlreiche merkwürdige Erlebnisse widerfahren. Meine Freunde lachen schon, wenn ich anfange mit „du wirst nicht glauben, was mir letztens wieder passiert ist…“. Das ist auch kein Zufall. Ich bin Widder Aszendent Schütze und auch sonst in jeder Hinsicht ein aktiver Macher. Ich bin weit davon entfernt ein sicherheitsbewusstes Leben zu führen und auch mein Lebenswandel neigt sich nicht von jedem Laster weg. Mein Radar für komplizierte und spezielle Menschen funktioniert ebenfalls einwandfrei. Nunja, wer generell viel unternimmt und zunächst mal offen für alle Menschen ist, der erlebt natürlich auch mehr verrückte Sachen, als ein Couch-Potato, der stets nur das macht, was bekannt ist. Ich bin beispielsweise in meinem bisherigen Leben etwas mehr als 400.000 km mit eigenen Autos gefahren und dazu nochmals schätzungsweise 150.000km mit Mietwägen. Dazu kommen etwa eine halbe Million Kilometer auf den Schienen der deutschen Bahn. Über die Erlebnisse mit beiden Reisemitteln könnte ich ganze Bücher füllen. In Flugzeugen halten sich meine kruden Erlebnisse hingegen in Grenzen. Bis auf eine sturmbedingte Notlandung in Stuttgart bei einem innerdeutschen Flug von Berlin nach München verlief da alles super. Im Auto allerdings habe ich schon so manche Situation erlebt, in der ich Angst hatte und gezittert habe. Manchmal waren es kleine Schrecksekunden, als mir zum Beispiel auf der Autobahn bei 190km/h ein Vogel in die Frontscheibe flog oder ich zwischen den Leitplanken pingpongte, weil in der Kurve die Achsfedern meines Autos brachen und das Fahrwerk ausbrach. In beiden Fällen ging es nochmal gut aus und war letztendlich nur Materialschaden. Ein anderes Mal wurde bei mir ein Knochentumor diagnostiziert und ich bangte eine Woche, bis das Ergebnis kam, dass er gutartig war.

Solche Momente sind im Nachhinein nicht mehr schockierend, wenn das Ende gut verlief. Und dennoch sind solche Anekdoten auch mahnend, denn sie machen mir bewusst, wie knapp und schmal der Grad zwischen Leben und Tod ist und wie schnell alles vorbei sein kann (und irgendwann auch sein wird). Was wäre bei meinem Unfall auf der Autobahn damals gewesen, wenn hinter mir ein anderes Fahrzeug gefahren wäre, als ich zweimal quer über beide Fahrstreifen geschleudert bin, bevor ich im Graben von einem Weidezaun abgefangen wurde? Wie hätte ich bei dem Vogeleinschlag damals reagiert, wenn ich zuvor nicht ein halbes Dutzend Fahrsicherheitstrainings absolviert hätte? Und was hätte passieren können, wenn ich, statt cool zu bleiben, das Lenkrad verrissen hätte?  Was wäre gewesen, wenn der Tumor bösartig gewesen wäre?  Hätte, hätte, Fahrradkette…

Ich beschäftige mich heute nicht mehr so oft mit dem, was gewesen wäre wenn, sondern konzentriere mich auf das, was ist. Natürlich träume auch ich gerne oder überlege mir, wie manche Dinge heute wären, wenn mein Leben an gewissen Punkten anders verlaufen wäre. Doch dann wird mir schnell wieder klar, dass mich das nicht im Geringsten voranbringt. Ich habe auch in meinem aktuellen Bekanntenkreis Leute mit Krebs, Multipler Sklerose, sonstigen Krankheiten und Behinderungen und sonstigen Herausforderungen jeglicher Größenordnung. Das wird auch nie aufhören, weil es einfach und selbstverständlich zum Leben dazu gehört. Murphys Law besagt, dass alles was passieren kann auch passieren wird. Nicht alles jedem, aber eben in unerkennbarer Verteilung und Häufung. Irgendwann werden auch uns, dir und mir (wieder) Dinge widerfahren, die wir im ersten Moment als ungerecht, als unfassbar und furchtbar ansehen. Dann mach dir bewusst, dass es vermutlich genau das ist, worum es im Leben geht. Das Leben ist sehr wahrscheinlich kein reiner Zeitvertreib, vermutlich ist es ein Lernprozess. Wir wissen aktuell noch nicht sicher, für was. Ob und wie es danach weitergeht, ob unser Wissen in ein zentrales System fließt oder es am Ende wirklich vorbei sein wird. Da kannst du glauben, was du möchtest und was dir Hoffnung gibt. Doch bis dahin besteht die Aufgabe darin, mit allem was passiert möglichst wertfrei umzugehen. Wenn du leiden willst, dann leide, wenn du kämpfen willst, dann kämpfe und wenn du abwarten willst, dann tue auch das. Es gibt kein richtig oder falsch, denn um das zu beurteilen müsstest du zunächst alle Optionen ausleben können und dann ganz am Ende rückblickend vergleichen. Das geht nicht. Also denk gar nicht erst in diesen Kategorien. Egal was du tust, jede Entscheidung (und jedes Abwarten und Aussitzen einer Entscheidung) verändert etwas in deinem Leben. Akzeptiere das einfach, nimm es hin und lebe damit. Das macht sensibel für den Wert, den das Leben hat und dass es aus vielen einzelnen Momenten besteht, die wir größtenteils selbst gestalten können. Konzentriere dich also weniger auf das, was du nicht gestalten kannst, sondern auf die restlichen 95%. In den letzten Jahren habe ich immer wieder den Kontakt zu meinem Urvertrauen trainiert und schaffe es, manchmal schneller, manchmal etwas behäbiger, alles zu akzeptieren, was ist. Und daher rührt auch mein oft verwendetes Mantra: Alles ist gut. Auch wenn es sich manchmal noch nicht so anfühlt.

Wissen ist zielführend

Wissen spielt in diesem Prozess für mich eine wichtige Rolle, denn es ist die Basis für alles Weitere. Mein Drang nach Wissen resultiert aus einer Motivation, möglichst viel aus meinem Leben machen zu wollen. Dazu sollte ich wissen, was ich weiß, was ich will und was ich kann. Den Rest kann ich dann ableiten. Zum Beispiel, was ich noch nicht kann, aber können will oder können sollte, um etwas Bestimmtes zu erreichen, wenn ich eben das will. Daraus resultieren dann Ziele und daraus generiere ich einen groben Plan. Wissen betrachte ich als Navigationssystem meines Lebens. Je größer das Kartenmaterial und je feiner das Wegenetz, desto mehr Spielraum habe ich und desto größer wird meine Neugier. Dennoch sind Improvisation und Selbstsicherheit (Urvertrauen) wichtig, denn sie lotsen dich dann weiter, wenn du mal feststeckst oder dich verfahren hast. Außerdem gibt es nicht in jeder Situation im Leben ein klares Ziel, das bedeutet, dass das Navigationssystem teilweise nicht weiterhilft. Mir geht es in diesem Artikel unter anderem darum, dass du dein Leben bewusst wahrnimmst und lebst und zwar nicht morgen, sondern täglich. In meinem Artikel über Dankbarkeit habe ich bereits angesprochen, dass wir oftmals zu unbewusst und passiv leben. Wir öffnen unsere Augen zu selten für die kleinen Dinge und planen die Zukunft, als wäre das Leben vorhersehbar. Und falls es dann anders kommt, als wir es geplant haben, dann entscheidet sich, ob wir naiv oder flexibel sind. Ob wir in Schockstarre verfallen und jammern oder dankbar sind und daraus lernen. Ob wir reagieren oder leben. Was hast du in den letzten Wochen und Monaten alles gemacht, das du auf dem Sterbebett bereuen würdest, wenn du es nicht gemacht hättest? Ich könnte da spontan so einiges aufzählen, darunter so einfache Dinge wie den Sternenhimmel betrachten, auf einer Frühlingswiese liegen und im Wald spazieren gehen, Gespräche mit Freunden und vieles mehr (und das ist nur die jugendfreie Auflistung). Schöne Erlebnisse müssen nicht immer laut und spektakulär sein. Und doch darf auch davon ein bisschen was dabei sein. Mach dir einfach klar, dass heute theoretisch der letzte Tag in deinem Leben sein könnte und dass morgen und übermorgen und auch danach jeden Tag in jeder Tageszeitung Todesanzeigen stehen, die von echten Menschen stammen, und zwar nicht nur von ganz alten. Und selbst von denen haben nur die wenigsten wirklich gelebt…

Wissen ist Macht

Vielleicht kennst du das Buch meditationes sacrae von Francis Bacon aus dem 16. Jahrhundert. Mit Sicherheit kennst du jedoch einen Satz daraus, der zu einem der bekanntesten Aphorismen weltweit geworden ist: Nam et ipsa scientia potestas est oder verkürzt und übersetzt: Wissen ist Macht. Wie du im lateinischen Original siehst, bezieht sich Wissen hierbei auf die Wissenschaft, also geprüftes Wissen. Im Gegensatz zu Glauben, Mutmaßungen und Theorien. Mit Macht bezeichnen wir heute die Fähigkeit eines Menschen, Einfluss nehmen zu können. Und da ist viel Wahres dran. Menschen sind umso einfacher zu beeinflussen, je leichtgläubiger sie sind und je mehr ein Mensch weiß, desto mehr Einfluss erlangt er über sein Leben und das anderer. Naivität, also Leichtgläubigkeit, korreliert immer mit Unwissen. Je weniger ich weiß, desto leichter glaube ich etwas und je dümmer und ungebildeter jemand ist, umso stärker überschätze und überhöht er seine eigene Kompetenz – meist ist es ja auch nicht mehr als eine unfundierte Meinung (dieses Phänomen nennt man übrigens Dunning-Kruger-Effekt) . Davon leben mittlerweile ganze Branchen, die zum Beispiel am laufenden Band abstruse Verschwörungs-Theorien erfinden – mittlerweile ein sehr lukrativer Markt. Ein Großteil davon ließe sich mit wenig Aufwand und kurzer Recherche widerlegen, viele Menschen scheinen den gesunden Menschenverstand regelrecht aufgeben zu wollen, um andere für ihr eigenes Leben verantwortlich machen zu können. Das nimmt teilweise abstruse Formen an. Davon profitieren dann Scharlatane, die Unsinn anpreisen und als Wunderpille, Wunderdiät, Wunder-Workshop oder Supertrick für oder gegen alles mögliche verkaufen. Das würde nicht funktionieren, wenn der Kunde das ihm eigene Gehirn im Sinne der Konstruktion öfters mal benutzen würde. Damit möchte ich keineswegs sagen, dass es keine Verschwörungen gibt und dass jede dieser Theorien per se Quatsch ist. Doch das ist eben eher wie mit den Blinden, die eben auch ab und zu ein Stöckchen finden.

Für mich geht es, im Kontext dieses Blogs, vor allem um das Wissen, dass du über dich selbst und dein Leben hast. Denn auch, beziehungsweise vor allem, hier trifft der Satz “Wissen ist Macht” sehr gut zu. Wenn du viel über dich, deinen Körper, deine Persönlichkeit und deine Fähigkeiten weißt, dann erlangst du Einfluss, um etwas zu verändern. Die in meinen Augen dümmste Einstellung zum Leben ist die, im Glauben zu sein, bereits genug zu wissen, keine Mentoren, Coaches oder Lehrer mehr zu brauchen (und ja, ich kenne haufenweise solche Leute). Menschen, die nicht wirklich viel wissen, sondern stets nur glauben und mutmaßen, was sie alles (nicht) können, was „man“ so tun und lassen „muss“ und warum die Welt ist, wie sie ist, die haben auch kaum Einfluss auf ihr eigenes Leben. Unwissen geht stets einher mit dem Verhalten des Re-Agierens statt Pro-Agierens. Wenn ich ein mickriges Navigationssystem mit einem sehr begrenzten Kartenradius habe, bleibt mir zwangsläufig nichts anderes übrig, als mir von anderen den Weg zeigen zu lassen. Mitzulaufen, im Strom zu schwimmen und darüber zu jammern, dass sich nichts verändert oder alles immer nur schlimmer wird (bewerten statt akzeptieren). Solche Menschen werden von anderen gelebt, weil sie keine Verantwortung für sich übernehmen. Wer hingegen aktiv Entscheidungen trifft (auch wenn diese nicht immer leicht zu treffen sind) und zu improvisieren bereit ist, wenn der klassische Weg mal für eine Weile aussetzt, die leben. Selbst und verantwortlich.

Ursprünglich stammt das Wort Macht allerdings vom Indoeuropäischen magh und bedeutet so viel wie können, helfen. Nach Bacon gilt also, im ursprünglichen Sinne verstanden, Wissen ist Können. Oder von der anderen Seite betrachtet, wenn ich etwas nicht weiß (nur glaube, mutmaße, annehme…), dann kann ich es auch nicht können. Vor allem nicht, wenn es keine richtigen oder falschen Entscheidungen geben kann. Und da schließt sich der Kreis zum Anfang, wenn es um die Zukunft deines Lebens geht. Für den Verlauf deiner Zukunft gibt es kein Wissen. Basta. Wenn du in einer Situation bist, in der du nicht sicher wissen kannst, welcher Weg der bessere sein wird, dann vertrau deinem Instinkt. In dem Fall bleibt dir nichts, außer dem Glauben. An dich, an Wahrscheinlichkeiten, an Möglichkeiten. Sei dir jedoch vollkommen bewusst, dass du es eben nicht weißt und genau deswegen kannst du auch keine Fehler machen. Etwas falsch zu machen setzt voraus, dass du hättest wissen können, was richtig ist. Dafür fehlen uns viel zu viele Bezugssysteme, unter denen eine solche Bewertung möglich wäre. Also lass es doch einfach ganz sein. Du kannst dein Schicksal nicht in jeder Facette bestimmen, egal wie verkrampft du dich um die ideale Lösung bemühst. Wenn du glaubst, wie etwas passieren wird, dann gibt es dir vielleicht Kraft und Hoffnung. Doch es ändert nicht automatisch deswegen den Verlauf, gemäß Murphys Law. Also lass einfach vorher schon los und folge deiner Intuition oder was auch immer. Und dann akzeptiere alles, was danach passiert.

Umgehen mit Ohnmacht

Obwohl ich mich regelmäßig mit dem Tod, Schicksal und Themen auseinander setze, die für mich als Selbständigen wichtig sind (Berufsunfähigkeit etc.), gibt es dennoch Situation, die mich eiskalt erwischen und sprachlos und ohnmächtig machen. Zum Teil, weil sie im ersten Moment schier unfassbar sind, wie zum Beispiel der Anschlag auf das World Trade Center 2001 oder der kürzliche Suizid-Absturz des Germanwings-Piloten. Seien dies globale Situationen wie wirtschaftlich motivierte Kriege und Elende oder ganz simpel Entscheidungen Dritter (in Politik, Familie, Freundeskreis…), deren Folgen mich betreffen und auf die ich keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss habe. Ohnmacht bedeutet nichts anderes, als ohne Macht zu sein, also ohne Einfluss auf die Situation und ohne etwas ändern zu können. Die Lösung beginnt also mit dem Moment, wo du genau das realisierst. Und, vielleicht ahnst du es schon, die Auflösung von Ohnmacht erfolgt durch Akzeptanz. Nimm hin, was du (aktuell) nicht ändern kannst. Respektiere und akzeptiere den Lauf der Dinge, auch wenn du Angst hast, dass der Verlauf nicht wie gewünscht ist. Denk dran, es ist meistens kein Wissen, auch wenn du dir noch so sicher bist. Ich bin auch der Meinung, dass in der Weltpolitik sehr viele Dinge falsch laufen. Doch das ist nur meine Meinung, weil mir dafür viel zu viele Wissenselemente fehlen, um die ganz großen Hintergründe zu verstehen (wieder ein Nährboden für angenommene Verschwörungen und allerhand Theoretiker). Davon abgesehen ist es sehr einfach zu kritisieren und ungleich schwieriger, das Kritisierte besser zu machen. Du kannst kein Wissen haben, dass der Verlauf deines Lebens sich zum Guten ändern oder gar besser werden würde, selbst wenn andere Menschen, Gruppen oder Systeme Entscheidungen anders treffen, die dich berühren und von denen du im Moment glaubst, sie seien falsch. Deswegen wende ich meine Aufmerksamkeit davon weg und beschäftige mich lieber mit mir und den Aspekten meines Lebens, die ich sicher verändern kann.

Ich schaue und lese bereits seit Jahren keine Nachrichten mehr, beziehungsweise nur noch sehr selektiv. Vielleicht wundert dich das jetzt, da ich nicht gerade ungebildet auftrete. Nachrichten haben meines Erachtens wenig mit Bildung zu tun, mehr mit Meinungsmache und Selektion von Ereignissen. Da hierbei meist negative Ereignisse fokussiert werden, erzeugt das den Eindruck, die Welt ist ein einziger Sündenpfuhl und alles böse und schwarz. Dabei leben wir aktuell in der gewaltärmsten Phase der Menschheit überhaupt, wir haben weltweit den größten Wohlstand (unglaublich, aber tatsächlich so) und viele Gründe, um täglich lächeln zu dürfen. Früher konnte ich das nicht wahrhaben, als ich mein Gehirn vor dem Schlafengehen nochmal mit Krieg, Krisen, Hunger, Seuchen und perversem Dreckspack in Wirtschaft, Politik und unter den so genannten Stars beschäftigt habe. Was bringt es mir, dass ich weiß, dass es viele verabscheuungswürdige Menschen auf der Welt gibt? Ja, es macht mich wieder nur ohnmächtig, es erzeugt ein Gefühl, als müsste ich kotzen, nur dass ich nichts gegessen habe. Ist das konstruktiv für mich und mein Leben? Nein. Brauche ich diese Infos in meinem Beruf? Nein. Bekomme ich besonders wichtige Meldungen im Alltag trotzdem mit? Selbstverständlich.
Was mache ich stattdessen? Ich bilde mich mit den Themen weiter, die mich und mein Leben betreffen, wo ich also den Einfluss ausüben möchte. Auf meiner Bücherliste stehen Themen, die mich aktuell beschäftigen und weiterbringen. Das sind Themen rund um meine Gesundheit, meine persönliche und körperliche Weiterentwicklung und Werke zur Unterhaltung. Allgemeinbildung im Rahmen größerer Zusammenhänge (kein tagespolitisches Taktieren und Manipulieren) und ein Überblick, was andere Menschen auf dieser Welt so beschäftigt. Ähnlich sehen mein Weiterbildungsprogramm (Workshops, Seminare usw.) und meine Reiseziele aus. Und ich mache mir regelmäßig Gedanken dazu, was ich tun kann, um möglichst viel Schönes in meinem Leben zu verwirklichen. Was unterlässt du heute bewusst, das dich nur runterziehen würde? Und was planst oder machst du heute, um morgen noch ein bisschen glücklicher zu sein?

Ich wünsche dir zauberhafte Pfingsten und gutes Gelingen beim Annehmen deines Lebens

Herzliche Grüße
Dein Markus Orschler