Unser Gehirn verändert sich jeden Tag. Es passt sich nicht nur an neue (Lern-)Reize an, sondern bildet ständig neue Synapsen zwischen den Gehirnzellen. Das menschliche Gehirn bildet sogar täglich neue Gehirnzellen! Verantwortlich dafür ist das Wunderprotein BDNF. Und genau darum geht es in unserem heutigen Artikel.

Irrglaube der Gehirnforschung

Lange ging die Wissenschaft davon aus, dass unser Gehirn sich in der Kindheit ausentwickelt und in späteren Lebensjahren kaum noch Synapsen oder gar Neuronen mehr entwickeln kann. Mittlerweile fand man jedoch heraus: Für einige Gehirnareale ist das nicht der Fall. Fast überall bilden sich stetig neue Synapsen und in der Gedächtnisregion (Hippocampus, Großhirnrinde und Vorderhirn) könnten sogar neue Neuronen entstehen (da geht es wissenschaftlich gerade etwas hin und her mit den Erkenntnissen) – und zwar unabhängig vom Alter des Menschen.

Die Aufklärung dieses Irrglaubens ist vergleichsweise neu und hat die Gehirnforschung dieses Jahrtausend revolutioniert. Das Netzwerken der Gehirrnzellen bezeichnet man als Neuroplastizität. Und genau da kommt das Protein bzw. Neurotrophin BDNF ins Spiel. BDNF steht für Brain-Derived Neurotrophic Factor und ist eng mit den sogenannten  Nervenwachstumsfaktoren (NGF) verwandt.

 

BDNF als Wachstumsdünger

Nervenwachstumsfaktoren sind bestimmte Proteine in Wirbeltieren, die das Vernetzen von Nervenzellen aufrecht erhalten und fördern. Je stärker eine solche „Bahnung“ zwischen zwei Nervenzellen ist, desto stabiler funktioniert das dadurch koordinierte Verhalten.

Das BDNF spielt dabei eine besondere Rolle: Es festigt die Verbindung zwischen den Gehirnzellen und steigert die Myelinschicht. Das lässt die Übertragungsgeschwindigkeit  elektrischer Signale zwischen den Gehirnzellen zunehmen und die Denkgeschwindigkeit steigen. Außerdem schützt das BDNF bestehende Gehirnzellen, fördert den Wachstum neuer Gehirnzellen – und aktiviert den Meynert-Basalkern im Gehirn, der die Aufmerksamkeit reguliert und unsere Lernfähigkeit beeinflusst.

Übrigens: Für die Entdeckung der ersten Nervenwachstumsfaktoren erhielten die Wissenschaftler Rita Levi-Montalcini und Stanley Cohen 1986 den Nobelpreis für Medizin.

 

So nutzen Sie BDNF für mehr Hirnleistung

Wie können wir diesen BDNF also für mehr Hirnleistung nutzen? Eigentlich ganz einfach: Je öfter wir uns mit neuen Lernreizen beschäftigen, desto höher ist die Ausschüttung von BDNF. Und das steigert die Lernfähigkeit.

So lässt sich auch erklären, warum unsere Lernfähigkeit mit zunehmenden Alter abnimmt. Das ist nämlich nicht zwangsläufig so – und liegt vor allem an der nachlassenden Reizdichte. Denn sobald wir aus der (hoch-) schulischen Ausbildung raus sind, lernen wir in der Regel deutlich weniger. Stattdessen verschlechtern Routinen und nachlassende neue Lerninhalte unsere Hirnleistung.

Die Lösung liegt auf der Hand: Trainieren Sie Ihr Gehirn regelmäßig! Dabei kommt es übrigens nicht darauf an, wie viele verschiedene Aufgaben Sie machen. Die richtige Frage lautet: Wie viele dieser Aufgaben sind neu und knifflig für Ihr Gehirn? Je schwieriger eine Übung erscheint, desto höher der Trainingseffekt für das Gehirn! Übrigens erhöht sich die Produktion von BDNF auch durch körperliche Aktivität wie Spazierengehen und moderaten Ausdauersport. 

Um bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben sind deshalb stets neue Reize sinnvoll. Zum Beispiel Speed Reading lernen. Mit unserem Online-Kurs können Sie das jetzt ganz bequem von zu Hause aus! 

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