Kann ich Glücklichsein trainieren?

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Wir leben in einer stressigen Welt und oftmals trifft uns der Eindruck, dass alles furchtbar ist und gefühlt immer schlimmer wird. Klimakatastrophe, Seuchen, ignorante Politiker und katastrophale Zustände, wo man hinsieht. Doch was kann ich persönlich tun, um besser damit umgehen zu können? Darum geht es in unserem heutigen Artikel.

Was bedeutet Glück? 

Mal davon abgesehen, dass es für Glück keine einheitliche Definition geben kann und es viele Erscheinungsweisen dieses Zustands gibt, habe ich für mich eine persönliche Definition: “Glücklichsein ist die Fähigkeit, im eigenen Leben stets die bestmögliche Perspektive zu finden, um sich langfristig wohl und zufrieden zu fühlen und zwar unabhängig von äußeren Faktoren.” 

Alles andere und alle anderen Menschen sind für mich zunächst (nur) mittelbare Faktoren, die diesen Zustand zwar beeinflussen, nicht jedoch verursachen können. Eine andere Person kann mich nur dann glücklich machen, wenn ich fähig bin, mich selbst glücklich zu machen und das somit zulasse. Ich bin der Meinung, dass dies ein Urzustand ist und dass wir diesen schön an Kindern beobachten können, bevor wir beginnen, sie (meist) nach unseren Vorstellungen zu verformen. Kinder leben im Moment und genießen das, was sie haben. Kinder brauchen kein teures Spielzeug, das sie beschäftigt, denn sie können noch aus sich heraus spielen und Spaß haben. Kinder mögen sich so wie sie sind und beginnen erst später damit, sich durch die Bewertung anderer Menschen schlecht zu fühlen (nicht selten befinden sich diese anderen Menschen in ihrem engsten Umfeld).
Nur wenige Erwachsene können sich diese Freiheit und Unbeschwertheit bewahren oder entdecken sie später wieder. 

Machen Geld und Besitz glücklich? 

Ich bin in meinem Leben schon viel gereist, sei es Asien, Nord- Süd- und Lateinamerika, Skandinavien und natürlich innerhalb Europas. Ich war schon oft davon angetan, dass ausgerechnet dort, wo gefühlt die größte (materielle) Armut und einfachsten Zustände vorliegen, keine Anzeichen unserer typischen Jammerhaltung zu finden sind. Zufriedenheit ist folglich ein sehr relativer Zustand. Als ich beispielsweise Ende der 90er Jahre mit anderen Europäern in der Dominikanischen Republik eine Motorrad-Tour ins untouristische Hinterland gemacht habe, da gab es dort keine Elektrizität, kein fließendes Wasser, stattdessen haben wir völlig natürlichen Frohsinn und Lebensfreude erlebt. Obwohl einige Menschen dort (vor allem die Kinder) vor uns noch nie „Weiße“ gesehen haben und ungläubig an der Haut unserer Arme rubbelten, wurden wir sofort integriert und kommunizierten mit Händen und Füßen, spielten Fußball und tranken gemeinsam. Gleiches habe ich auch anderswo erlebt und auch von Freunden und Kollegen gehört. Warum ist das so?

Ich glaube teilweise deshalb, weil diese Menschen nicht wissen, was sie nicht haben und es deswegen auch nicht vermissen können. Sie erfreuen sich einfach an dem, was da ist. Selbst wenn sie in absoluter Armut leben, bewahren sie sich oftmals ihre Fähigkeit zum Glücklichsein, weil niemand anderes sie (wahrnehmbar) als arm “bewertet”. Und teilweise ist es wohl auch deshalb so, weil sie gesellschaftlich den Glaubenssatz nicht gelernt haben, dass wir immer nur in Relation zu anderen gut dastehen können. Dieses andauernde Vergleichen und Bewerten tut uns nicht gut. Studien belegen, dass Angestellte oft nur so lange mit ihrem Gehalt zufrieden sind, bis sie erfahren, dass manche KollegInnen mehr bekommen als sie. Deswegen spricht der typische Neiddeutsche auch nicht gerne über sein Einkommen, nicht aus Bescheidenheit, sondern aus Angst davor, dass das Gegenüber mehr beziehen könnte. Das alte Thema Neid. Doch was für ein Quatsch ist das! 

Materieller Besitz kann mein Glück nur dann erhöhen, wenn ich auch ohne ihn bereits glücklich bin. Gegenstände (auch Geld) und selbst andere Personen können in Deiner Persönlichkeit nichts auffüllen, was für diesen Urzustand fehlt. Viele versuchen das dennoch (erfolglos), weil uns die Konsum-Wirtschaft und Medien das suggerieren. Wenn ich etwas haben “muss”, dann überlege ich mir zunächst, welches Defizit ich damit auszugleichen versuche. Erst wenn ich dieses Dilemma gelöst habe, kann auch der Rest funktionieren. Ebenso verhält es sich, wenn man einen anderen Menschen “braucht”. Dann ist das keine Liebe mehr, sondern eine defizitäre Abhängigkeit (das eine schließt das andere zwar nicht aus, sollte jedoch eher bei einer Eltern-Kind-Beziehung und nicht zwischen zwei oder mehr Erwachsenen vorkommen). 

Dankbarkeit führt zu Lösungsdenken

Besitz ist also eher nicht die Säule des Glücks, denn Materielles alleine macht nicht glücklich. Nichtbesitz ist es allerdings ebenso wenig, denn auch Armut und der Verzicht machen nicht glücklich, zumindest nicht allein wegen des Verzichtens selbst. Weshalb manche Menschen glücklich und zufrieden sein können und zwar losgelöst davon, wie viel oder wie wenig sie besitzen und weshalb manch andere Menschen permanent jammern und in jeder noch so belanglosen Situation eine Chance suchen, sich als Opfer darzustellen, das liegt an einer anderen Fähigkeit: dem dankbar sein.
Dankbarkeit ist das Gegenstück zu Neid und Defizitärdenken. Bei letzteren konzentrierst Du Dich auf all das, was Du nicht hast, was du verloren hast (oder verlieren könntest) und/ oder was andere mehr haben als Du. Defizitärdenken ist sehr relativ, denn Du wirst so gut wie immer jemanden finden, der mehr von etwas hat, schöner, reicher, attraktiver, gebildeter, klüger,… ist als Du. Und um Neid und Missgunst zu kaschieren (und unser minderwertiges Selbstwertgefühl zu erhöhen), lästern wir und machen diese anderen Menschen schlecht. Doch wenn Du über andere herziehst, dann offenbart dies stets auch sehr viel Selbstkritik. Diese Denkweise macht dich auf Dauer krank und vergiftet deine Psyche. 

Solche Menschen berauben sich selbst ihres möglichen Glücks, weil sie andauernd mit dem ausgestreckten Zeigefinger durchs Leben laufen und so mit dem Leben anderer beschäftigt sind, dass sie für sich selbst keine Energie mehr übrig haben. Anstatt etwas zu ändern, jammern sie. Solche Menschen inszenieren sich gerne als Opfer, sei es der bösen Kollegen, der (gesteuerten) Medien, der (korrupten) Politik, der (bösen) Wirtschaft und so weiter. Selbst wenn das in einigen Aspekten stimmen sollte, stell Dir in solchen Momenten folgende drei Fragen:

1. Kann ich es ändern? Wenn nicht, mach Dich locker!
2. Bin ich selbst bereit, das zu verändern und was tue ich wirklich aktiv dafür? Wenn du selbst kein gutes Beispiel bist, dann solltest du auch andere nicht für ihr Verhalten kritisieren.  
3. Welchen Nutzen gewinne ich selbst aus dieser (negativen) Denkweise? Wenn es Dir persönlich nichts nutzt, wenn du dich stets nur auf die anderen fokussierst, dann ändere doch einfach die Herangehensweise und übernimm Verantwortung für Dein eigenes Leben. Du hast vermutlich nur das eine.

Ändere deine Wahrnehmung und dein Leben ändert sich

Wenn Du Dich stets auf das Negative dieser Welt konzentrierst, dann bekommst Du schnell das Gefühl, dass alles den Bach runter geht. Einmal mit diesem Denken angefangen, kommst Du aus dem Jammern und Kritisieren kaum noch raus. Dankbarkeit hingegen ist etwas Absolutes. Wenn es mir persönlich schlecht geht, dann identifiziere ich zunächst mal den Grund dafür. Allermeistens liegt es ja in meiner Hand, das zu ändern. Im Hinblick auf mein kurzes Leben wäge ich dann die Alternativen ab. Warum trauen wir uns dennoch oft nicht, auch ungewisse Entscheidungen zu treffen, wenn uns die Ist-Situation unglücklich macht?
Vermutlich, weil wir öfter in möglichen Verlusten denken als in Chancen. Lieber wählen wir das bekannte Elend, als uns um das ungewisse Glück zu bemühen. 

Fang also heute damit an, den Fokus auf all die kleinen Dinge zu lenken, für die du dankbar sein darfst. Die frische Luft zum Atmen, die Sonne am Himmel, das Trinkwasser aus der Leitung… die lieben Menschen um mich herum, dass du lebst, dass du sehen kannst, dass du lesen kannst (und das völlig selbstverständlich lernen duftest) und noch vieles mehr. Lasse abends den Tag Revue passieren und überlege dir: Was war heute schön? Was davon ist für andere Menschen auf der Welt keineswegs selbstverständlich? Was mache ich morgen, damit ich mehr solcher schöner Momente haben werde?  

Mache das regelmäßig und dir gelingt viel mehr mit Leichtigkeit. Mir persönlich macht diese Einstellung klar, worauf es wirklich ankommt. Alles andere ergibt sich dann schon irgendwie. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass Dankbarkeit DIE wesentliche Voraussetzung für Glücksempfinden im Leben ist. Dankbarkeit bezieht sich auf Dich selbst und Dein Leben, Du benötigst dafür keine anderen Menschen, keine Erfolge, Taten, Besitztümer. Und ich setze noch eins drauf und behaupte, dass die Fähigkeit dankbar zu sein der größte Hebel gegen Stress und der beste Weg zu Authentizität und Selbstbewusstsein ist. Dankbarkeit führt zu Demut, Demut erzeugt Gelassenheit und Gelassenheit ist eine wichtige Säule dessen, was wir Charisma nennen. 

Fazit

Es gibt in uns selbst viele Wesenszüge, die uns davon abhalten, glücklich und zufrieden zu sein. Als ersten und gewichtigsten Schritt setzt Glück voraus, dass wir zu uns selbst stehen und uns so akzeptieren, wie wir sind (und zwar in allen Facetten). Mach Dir dazu bewusst, dass es immer jemanden geben wird, der in irgendetwas besser ist als Du. Mach also nicht andere zum Maßstab, sondern nimm Dich selbst dafür her. Du gestern, Du vor einem Jahr, Du vor zehn Jahren, und auch: Du in 5 Jahren. Alles andere ist nur Kasperletheater und dafür ist das Leben zu wertvoll. Erst wenn Du anderen Menschen keine Rolle mehr in diesem Kasperletheater vorspielst, beginnst Du, innerlich zur Ruhe zu kommen. Sobald Du nicht länger versuchst, Dich besser darzustellen, als du bist, kannst Du Dich auch auf das besinnen, was Dir wichtig ist. Und sei auch wichtig für andere. Danke fürs Lesen 😉 

Foto: ©Gina Sanders – stock.adobe.com

 

Markus Orschler

Markus Orschler

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