Planung: Man kann nicht nicht planen

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In letzter Zeit höre und lese ich imer mal wieder, dass Planung bescheuert und total out sei. Das Leben, die Wirtschaft – alles nicht planbar. Wer folglich plant, der mache sich lediglich was vor, so das reichlich seltsame Mantra mancher selbst ernannt Planloser. Da sich die künstlich generierten Management-Hypes mittlerweile in gefühlter Windeseile abwechseln und dabei oft mit brachialer Anstrengung gegen den gesunden Menschenverstand ankämpfen, lass ich das mal einfach so im Raum stehen. Ich kann ja nur für mich sprechen und oute mich hier offen und ungeniert: JA, ICH HABE EINEN PLAN! Und nicht nur das, ich plane den ganzen Tag, sobald ich wach bin und bis ich schlafen gehe, tausende Male. Ich treffe Entscheidungen, stelle Überlegungen an, vereinbare Termine, plane Preise und Einkäufe und ich unterstelle Dir mal ganz frech: Du auch!

Wie in den meisten Fällen von pauschalen Thesen, hapert es auch hier schlicht am Sachverstand. Genauer gesagt hapert es an dem Verständnis, was das Wort Planung bedeutet und voraussetzt – und was nicht. Daher möchte ich mich in diesem Artikel mit der Wortbedeutung beschäftigen: Das heutige deutsche Wort Plan ist ein Lehnwort des Französischen plan (von planter – aufrichten, herstellen) und bedeutet Vorhaben, Grundriss. Das französische Wort wiederum entsprang dem lateinischen Begriff plantare, was pflanzen bedeutet. Diese Bedeutung wurde ins Deutsche übernommen und hat sich seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr geändert. Das deutsche Wort planen hat also zwei leicht unterschiedliche Bedeutungsebenen.

  1. Planen ist synonym zu beabsichtigen, etwas vorhaben. Das heißt, jeder Entschluss zu Handeln ist ein Plan. That`s it. Menschen, die nicht planen sind folglich entweder Student, tot, oder sollten dringend einen Neurologen konsultieren. Planung ist quasi die erste Phase einer jeden Handlung – kein bewusstes Handeln ist ohne Planen möglich.
  2. Planen bedeutet auch, zukünftige Handlungen ausarbeiten, Grundrisse erstellen. Selbstverständlich kann man es mit der planerischen Ausgestaltung übertreiben (was vermutlich eher Kern der oben erwähnten Kritik ist), dennoch kann man – sehr frei nach Watzlawick – nicht nicht planen. Wenn ich morgens an meinem Kleiderschrank stehe und mir (innerhalb weniger Sekunden oder sogar Sekundenbruchteile) überlege, a) was für ein Wetter draußen ist, b) was für Termine ich tagsüber habe (Termine sind natürlich ausnahmslos immer Pläne) und c) worin ich mich wohlfühle, um anschließend etwas Passendes anzuziehen, habe ich bereits die erste (und zwar recht komplexe) Planung des Tages hinter mir.

Fast jede meiner Entscheidungen erfordert eine Vorwegnahme bestimmter Wahrscheinlichkeiten und ein Abwägen der Alternativen. Das hängt davon ab, was ich wahrscheinlich(!) in diesem Outfit erleben werde und was dafür die vermutet beste Entscheidung ist– ich plane. Wähle ich jetzt das Gericht mit Zwiebeln und Knoblauch oder könnte das morgen beim Kunden Nachteile mit sich bringen? Ich plane. Wann treffe ich mich mit meinem Kunden (oder Freunden), welchen Preis verlange ich für meine Produkte und Leistungen? Alles Planung. Wann nehme ich Urlaub und wo verbringe ich diesen? Was mache ich heute Abend? Jede bewusst getroffene Entscheidung beinhaltet zwangsläufig einen Plan.

Gibt es eine Garantie, dass meine Wahl in jedem Fall die beste Entscheidung ist? Nein, natürlich nicht, alleine schon deswegen, weil es keinen Maßstab für eine gute Entscheidung gibt. Erhöhen solche planerischen Abwägeprozesse die Wahrscheinlichkeit für mein Wohlfühlen, ja, selbstverständlich. Übrigens höre oder lese ich manchmal als Alternative zur Planung, man solle stattdessen auf sein Bauchgefühl hören und einfach machen. Ich möchte Dir jetzt nicht zumuten, dass ich so weit aushole, um zu erklären, weshalb solche Aussagen völliger Quatsch sind.

Vielleicht in Kürze so viel: „Bauchgefühl“ ist nichts anderes als eine antrainierte unbewusste Kompetenz. Das kommt nicht aus dem Nichts und funktioniert auch nur dann, wenn der Bauch vorher mit Informationen gefüttert wurde. Intuition (ein anderes Wort dafür) ist keine Alternative zum Planen und es ist auch kein Gegensatz zum rationalen Denken, es ist vielmehr ein automatisiertes Erfahrungswissen, in dem sich viele bereits gedachte Gedanken und ausgeführte Aktionen widerspiegeln. Dazu gibt es zahlreiche Studien von vermeintlichen Sonderbegabungen und angeblichen Talenten, die letztendlich so gut wie alle “nur” auf den Punkt Erfahrung und Übung reduziert werden können. Ein Torwart, der tausend Elfmeter durchgespielt hat, der speichert die vielen kleinen Unterschiede, um dann, beim 1001. Schuss die richtige “Ahnung” zu haben. In diesem Fall ist das ominöse Bauchgefühl nichts anderes als ein fundierter Plan, der nur eben nicht mehr bewusst aufgerufen wird, sondern durch unzählige Gedanken und Ausführungen automatisiert wurde (weitere Beispiele: Schlagfertigkeit, Kreativität, Chancenintelligenz usw.). Wer seinen Bauch nicht gefüttert hat, der kann stattdessen auch eine Münze werfen (was viele, selbst große Unternehmen, regelmäßig machen – inklusive der entsprechenden Konsequenzen). Wenn eine Entscheidung in solch einem Fall “richtig” ist, unterstellen mancher zwar eine gute Intuition, stattdessen wären die Begriffe Glück oder Zufall angemessener.

Überlege Dir mal, wie Du Auto fährst. In den ersten Fahrstunden musst du jede Bewegung schon vorplanen, bevor du so weit bist. Nach etlichen Fahrstunden geschieht das automatisch. Dies bedeutet keineswegs, dass du nicht permanent den „Grundriss“ von allen Verkehrsteilnehmern und den Straßen erstellst und Eventualitäten planst. Dies nennt sich dann vorausschauendes Fahren.

Jeder Mensch, der einen Kalender benutzt, Termine mit dem Arzt/ Freunden/ Kunden vereinbart oder einen Urlaub bucht, der plant. Planung ist mit das Selbstverständlichste und natürlichste unseres Verhaltens, vielleicht verstehen deshalb manche gar nicht, was es bedeutet. Hier zeigt sich wieder das sowohl als auch meiner Philosophie: Planung bedeutet keineswegs, dass Du alles haarklein aufschreiben sollst und weder links noch rechts schaust. Ebenso wenig heißt das, dass Du jede Eventualität abwägen brauchst. So etwas habe ich jedoch auch noch nie jemanden fordern oder empfehlen hören. Es wäre dumm und unbedarft, in Situationen zu stürmen, die zumindest hinsichtlich gewisser Erfahrungswerte planbar sind.

Leistungssportler wissen beispielsweise, bei welchen Körperwahrnehmungen sie das Training besser abbrechen oder pausieren, um eine schwere Verletzung zu vermeiden. Wer ein Haus baut oder kauft, dem ist anzuraten, dass er anhand seiner aktuellen Situation plant, ob und wie er sich das Haus leisten kann und er wird gewiss keinem Architekten und Bauunternehmen vertrauen, die nach Augenmaß und ohne Plan arbeiten. Und als Unternehmer wäre es töricht, völlig ohne Ziele, ohne Termine und ohne Prozesskontrolle zu arbeiten. Natürlich könnte es in jedem dieser Beispiele trotzdem funktionieren und es gibt auch Beispiele, in denen es geklappt hat (siehe oben: Glück, Zufall). Aber mal im Ernst, wozu haben wir von der Natur unseren Verstand bekommen, wenn wir dann trainieren sollen, ihn auszuschalten?

Überleg Dir mal, was Du in Deinem Alltag für Planungskonzepte verwendest und wie diese Dir helfen, Klarheit und Struktur in Deinen Alltag zu bekommen. Im nächsten Artikel zeige ich Dir meine Planungstools und wie ich damit als Sportler, Student, Unternehmer… meine Trainingsfortschritte und Projekte koordiniert und plane.

Foto: ©sunet – stock.adobe.com

Markus Orschler

Markus Orschler

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